Vier Tricks für sofort besseres Zeichnen

Zeichnen lernen hat viel mit Übung zu tun! Jeder Mensch, der will, kann meiner Ansicht und Erfahrung nach zeichnen lernen. Jede Zeichnung zählt, jedes Bild bringt dich vorwärts, jede Skizze schult das Auge und die Hand. Wirklich.

Aber sofort besser zeichnen? Geht das wirklich?

Natürlich geht das! Zeichnen lernen hat nicht nur mit Übung und Fleiß zu tun, auch Wissen spielt eine Rolle. Wissen, das gelernt und angewendet werden will. Manche von uns (wie ich) hatten das Glück, dass ihnen dieses Wissen vermittelt wurde, dass sie es irgendwo aufgeschnappt haben. Vielleicht von Lehrer*innen, manchmal aus Büchern oder neuerdings auch von YouTube und Co.

Neben Wissen über Perspektive, Anatomie, Farbenlehre und Mal- und Zeichentechniken gibt es noch ein paar sehr universelle Tricks, die, wenn du sie anwendest, unmittelbar das Zeichenergebnis verbessern. Das liegt daran, dass sie das Gehirn austricksen, das sich beim Zeichnen nur zu gern einmischt: Statt zu zeichnen, was wir sehen, zeichnen wir dann, was wir glauben zu sehen. Und das ist etwas ganz, ganz anderes.

Hier nun meine vier Lieblingstricks, die sofort helfen, weil sie dich entweder besser messen lassen, oder weil sie das Gehirn austricksen und dich so sofort besser zeichnen lassen:

1. Der Winkel-Trick

Diesen Trick habe ich erst im Designstudium gelernt: Das menschliche Auge ist extrem gut darin, zu erkennen, ob eine Linie exakt senkrecht oder exakt waagerecht verläuft. Das kannst du dir zunutze machen, indem du überprüfst, wie sich Linien und Fluchten in Relation zu deiner Perspektive verhalten. Ist das eine steigende Schräge oder eine fallende? Und wie stark steigt sie, verglichen mit der Waagerechten oder Senkrechten?
Das Vergleichen klappt übrigens auch bei 45°-Winkeln. Bei 45° ist das Auge nicht mehr ganz so perfekt wie bei Waagerechter und Senkrechter, aber immer noch ausreichend gut.

2. Der Abmess-Trick

Den Trick hat mir ein Kunstlehrer beigebracht. Bis ich ihn gelernt hatte, habe ich mich immer gefragt, wieso stereotype Künstler*innen, zum Beispiel in Filmen oder Comics, vor dem Malen immer erstmal den Pinsel oder Stift in die Gegend halten.

Die Methode ist einfach: Du brauchst einen Stift, Pinsel oder etwas ähnliches, was sich in einer Hand greifen lässt. Dann hältst du den Arm ausgedreckt (Ellenbogen durchdrücken!) deinem Objekt entgegen und greifst mit dem Daumen ein Maß ab. Im Beispielfoto hier greife ich die Breite der Stuhllehne ab:

Dieses Maß kannst du jetzt auf andere Strecken anwenden, wie die Höhe des Stuhles. Wichtig ist dabei, die Perspektive nicht stark zu verändern, also nicht scharf nach oben oder nach unten zu messen, weil die Distanz vom Auge sich sonst zu sehr ändert. Alternativ kann der Kopf auf die Schulter gelegt werden, das finde ich aber meist zu unbequem.

3. Der Augen-Zusammenkneif-Trick

Ein wichtiger Trick, um die Verteilung von Helligkeiten auf dem Bild zu überprüfen. Wenn du die Augen ganz klein machst und durch die Wimpern blinzelst, ist das wie ein Weichzeichnereffekt auf das, was du siehst. So kannst du entweder deine Kompisition überprüfen, schauen, ob Hell und Dunkel ausgewogen verteilt sind und eine gute Dynamik haben. Oder du kannst dein Bild mit der Realität vergleichen und sehen, wo du vielleicht noch etwas nacharbeiten musst.

4. Der Spiegel-Trick

Einer der besten Tricks zum Zeichnen überhaupt! Der Trick beruht darauf, dass unser Gehirn gern beim Zeichnen mitmischt. Wir sehen unsere Umgebung nicht nur, wir versuchen auch, sie zu verstehen. Sehen wir einen Tisch, denkt sich das Gehirn „Der muss waagerecht sein!“, ganz egal, ob das aus unserer Perspektive stimmt. Das Gehirn nimmt ständig Korrekturen in unserer Wahrnehmung vor, mal in diese, mal in eine andere Richtung. Ein Glas ist flach, denn es steht auf Oberflächen, aber oben rund? Dann wird es auch so gezeichnet:

Zum Glück lässt sich das Gehirn austricksen. Entweder, du hast sehr viel Zeit, dann kannst du das Bild weglegen, ein Tuch drüberhängen und warten, bis dein Gehirn bereit ist, unvoreingenommen zu sehen. Das dauert eine Weile, bei mir mindestens ein paar Tage. Oder du benutzt einen Spiegel und schaust dir dein Bild im Spiegel an. Achtung, nicht erschrecken. Ja, das ist immer noch dein Bild. Warum es plötzlich so komisch aussieht? Weil dein Gehirn dieses gespiegelte Bild nicht kennt und darum auch nicht korrigiert!

Und? Hast du die Tricks ausprobiert? Welcher ist dein Lieblingstrick? Oder kennst du sogar noch mehr? Dann ab damit in die Kommentare!

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